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Wandern 'n Whisky - 2 Männer, 1 Schottland, 4 Tage



WiiG Urlaub in Schottland.
Die fleißigen Pfennigsparer Igli und Jens haben es geschafft genug zusammenzusparen, um nach Schottland zu fliegen.
Ziel: Wandern und Whisky.

Niemand da. So geht es per Bus zum Flughafen, mit Flugzeug nach Glasgow mit Bus weiter ins Hinterland. Dann per Bahn gen Balloch und von dort per Bus nach Drymen und von da werden wir (nach einem Bier im angeblich ältesten Pub Schottlands) per Auto abgeholt und zu unserer Wohnung gebracht. Anstrengend.

Unsere Gastgeberin ist sehr freundlich und wir haben eine idyllische kleine Wohnung für uns alleine inklusive Garten.
Echt super!

Da wir total kaputt sind planen wir einmal kurz den Startpunkt von morgen zu erkunden und dann was essen zu gehen.

Auf dem Weg haben wir 2 Bier dabei...
Und die verleihen uns Flügel und geben uns neue Kräfte.
Jens und Igli auf Cony Hill Am Pfad angefangen wollen wir erkunden wie schwer der Anstieg am nächsten Morgen auf den Cony Hill sein könnte. Wirklich, nur kurz einen Eindruck gewinnen.
Am Fuße angekommen wollen wir ein Stück hinauf gehen...
Final sind wir auf einmal nach 2 Stunden auf dem Gipfel angekommen und schauen uns die Landschaft an. Erstaunlich. Fantastisch!

Dann geht es über diverse Bergrücken abenteuerlich entlang gen Tal nach Balmaha.
Der Abstieg hat es in sich - wir wollen ja schnell nach unten kommen.
Glücklicherweise gibt es da einen Bus der uns wieder nach Hause bringt.

Plan: kurz mal den Weg von morgen checken.
Ergebnis: über 3 Stunden wandern und kraxeln, ein kleiner Sonnenbrand, ein extremes Erfolgsgefühl und unseren ersten selbstverdienten Mohan.

Wieder in Drymen angekommen nehmen wir noch ein Mediumleckeres essen zu uns und beenden selig unseren Ankunftstag (nach 30 Minuten Fußmarsch von Pub zu Wohnung).


West Highland Way - von Drymen gen Inversnaid

Alle noch fit. 6:30. der Wecker klingelt. Wirklich.
Und nun sollen wir über 30 km wandern ?
Ok, wir wollten es ja so. Ein nettes Frühstück, alles verstauen, 12 kg Rucksack aufziehen und raus an die Luft.
Erste Überraschung: kein Regen. Nein, es scheint sogar die Sonne!

Um kurz nach 8 sind wir auf dem 'West Highland Way'. Nach der warmen Sonne sehen wir die zweite Überraschung: Ein Fuchs. Noch nie gesehen in freier Wildbahn.

Wir lassen den -bereits in die Knie gezwungenen- Cony Hill rechts liegen und wandern auf flachem direktem Wege über Straßen - es ist die "West-Highland-Way alternativ Route" Richtung Balmaha.


Dabei sammeln wir unseren Müll vom Vortag auf. Über die leere Bierdose haben sich Schnecken hergemacht. Mjam.

Pause am Strand. Die Straße gen Balmaha ist unspektakulär und nicht schön. Aber wir sind sehr schnell da und liegen weit vor dem Worst case Zeitplan.
Das ist auch gut so, wie wir 10 Stunden später erfahren sollten...
Kurzer Stopp im Hafen und voller Energie und guter Laune geht es weiter zur nächsten Station: Rowardsmen.
Der Weg ist nett, birgt nicht viele Schwierigkeiten, mal Straße, mal Waldweg, kaum Wanderer trotz Peak Season. Zwischendurch gibt es immer wieder atemraubende Ausblicke auf das Loch Lomond, hier zeigt sich warum dieser Weg so beliebt ist. Besonders bei Sonnenschein.
In Rowardsmen genießen wir ein Lunch (Salat) und erfreuen uns der Sonne. Der Ort scheint aus maximal 3-4 Häusern zu bestehen.

Immer noch guter Dinge, kaum Schmerzen aber schon weit über 20 km in den Beinen... Wir liegen nach wie vor weit vor dem Zeitplan.

Weiter gen Inversnaid! Easy.

Kurz vorm Ziel. Am Anfang scherzen wir noch, dass wir noch eine Station dranhängen können... Igli spricht von 40 km die machbar wären...
Aber dann wird es immer ruhiger um die zwei Wanderer, die blöde Sprüche bleiben aus, der Körper meldet sich und fragt: habt ihr noch alle Latten am Zaun ?
Wald, See, rauf, runter... Es wird immer anstrengender.
Schließlich macht Jens den Rocky Soundtrack auf seinem iPhone an und pusht die Wanderer laut tanzend nach vorne.
Das hat die Natur hier garantiert noch nicht gesehen.
(Nur eine Episode von diversen Zwischenhochs bei sehr vielen Tiefs;)).

KM Anzeige. Mittlerweile tun einige Stellen am Körper weh und die Körner sind weg. Die Vorräte sind aufgebraucht, Wasserstellen oder verpflegungsstellen gibt es kaum auf dem Weg.

Am Ende stehen über 36 Kilometer auf der Uhr und wir schaffen es gerade noch 2 Bier und Salat zu essen bevor der Mann mit dem Hammer kommt. In der Hoteldisco des Inversnaid Hotel tanzten sehr viele Leute zu Coverlivemusik. Allerdings ist das gesamte Hotelpublikum im Schnitt über 66 Jahre alt...
Zu viel für unsere geschundenen Körper - wir brauchen Erholung!

Das Hotel ist definitiv keine Empfehlung wert!

Am nächsten Morgen sagt der Körper: Ich will net mehr!!!
Ekelfrühstück. Aber er muss! Kein Erbarmen!
Zur Stärkung überrascht uns das Hotel mit einem besonderen Frühstücksservice...
Um Punkte 8:30 ist Boarding von ca. 50 Renner und uns.
Ab in den Frühstücksraum für Schicht 2 (8 Uhr war die erste Schicht).
Wir werden in die Strafecke an den kleinsten Tisch der Welt gelotst.
Trotz Miniatur null Gemütlichkeit.
Kaum sitzen wir wird auch verlangt, dass wir unsere Vorspeise ausgesucht haben. Ich bekomme einen O-Saft als Vorspeise. Genau das richtige gegen Hunger ?
Kaum steht der Orangensaft fragt der Kellner ob wir uns für ein Frühstück entschieden haben. Trotz meiner Antwort (no) bleibt der Kellner ungeduldig hinter uns stehen und so bekomme ich ein Veggi Frühstück. 2 Toasts, 1 warme Tomate, 1 Stück Spiegelei und eine Veggiwurst.
Veggiwurst war tatsächlich lecker aber das ganze Ding war eine Zumutung und absolut unfreundlich.
Um 9 war das nächste Rentner Boarding... Nichts wie weg!

Draußen wartet der Tag auf uns. Sonne. Kein Regen. Hammer!
Los geht es frohen Mutes, dieses Mal können wir sogar im T-Shirt wandern!

Nach ca. einem km führt ein Pfad rechts den Berg hinauf - wir wissen nicht wo er hinführt und folgen ihm neugierig. Fehler. Er geht höher und höher, ganz viele Treppenstufen und kein Hinweis auf irgendwas. Irgendwann kommen wir an einer Lichtung an und besinnen uns: Umkehr. Tut zwar weh, aber es ist wohl die bessere Wahl. Selbst Google Maps konnte uns nicht zeigen wo wir hingekommen wären... Vielleicht hätten wir ja einen Highlander entdeckt.
Was wir allerdings auf dem Weg entdeckt haben war der Todfeind des Japaners! Eine fiese, böse, gemeine Schlange. (Blindschleiche)
Kurz nachdem wir zurück auf dem WHW sind sehen wir den Hinweis auf Ron Robs Höhle. Ok, noch ein Ausflug abseits des Pfades. Dieses Mal wird wortwörtlich gekraxelt und über Felsen hinweg der Weg zu einem Cave gesucht. Ganz klar ist hier der Weg das Ziel und das Ziel selbst ist keine Erwähnung wert. Lohnt sich nicht ;-). Der Weg hingegen war abenteuerlich und gut. (Bis auf dem menschlichen Exkrementhaufen unterwegs. Pfui).

Ron Robs Höhle. Zurück auf dem Weg haben wir einen Schnitt von über 30 Minuten pro Kilometer- wird eng Glasgow früh zu erreichen...

Wir sputen uns nun und überwinden Schmerzen in Muskulatur und Brain und folgen strikt dem WHW.
Der Weg ist echt schwer.
Unvorstellbar wie dies hier teilweise bei Regen funktionieren soll, man würde über Sturzbäche am Abgrund wandern.
Es wäre definitiv risikoreich bei schlechtem Wetter.

Noch unvorstellbarer: auf einmal sind Biker vor uns. Schiebend bzw. Bike tragend. Nach einem kurzen Gespräch stellen wir fest das sie sehr wütend sind: Ein Ranger habe ihnen erzählt der Weg wäre "bikable"...
Was für eine krasse Lüge!

Nach ca. 4,5 km erreichen wir einen Strand. Im Sonnenschein kann man hier die Füße im Wasser erholen und den Moment genießen. Wir sind schon fast 3 Stunden unterwegs...

Der junge Mann und das Meer.
Nach der Erholungspause wird der Weg ein wenig einfacher, breiter und auch einsamer.
Wunderschöne Natur soweit das Auge reicht. Viel Grün und Grasland - so habe ich mir die Highlands vorgestellt!
Allerdings auch kein Ziel und keine Zivilisation in Sicht - der Körper schmerzt...

Zivilisation - Bier. Für die 10,5 km benötigen wir (auch dank Umwegen und Pausen) über 5,5 Stunden - laut Reiseführer hätten es 3-4 Stunden sein dürfen. Am Ende tun mir meine Zehen weh, viel weiter hätte es nicht gehen dürfen. Für uns Flachlandidioten reicht es!
tatsächlich hat sich bis heute (18.09) ein Zeh noch nicht ganz erholt und ist in einem Dauerschlaf.
Einen Salat (!) pro Nase im "Dovers In" in Invernanan und dann ab mit dem Bus zu 16 pound gen Glasgow.

In Glasgow geht es einmal quer durch die Stadt zu unserem Airbnb Bett.
Halbwegs zentral, 40 Euro die Nacht, alles gut. Supernette Gastgeber. Zu spät und zu platt um Glasgow zu erkunden beschränken wir uns darauf îns Nachtleben zu stürzen.
Erste Begegnung: Gary, der Security Mensch vom Supermarkt. Ein Bild von einem Schotten. Er empfiehlt uns leidenschaftlich was sich lohnt und was nicht.
Geiler Typ, jedes Mal wenn wir seine Wege in den kommenden Tagen kreuzten begrüßte er uns und wir mussten ihm erzählen was wir gemacht haben. Und wir haben Gary mehrmals pro Tag getroffen :-D

Auf Garys Empfehlung geht es in das IN Pub 'the Arch' - megalaute elektronische Musik und lange Schlangen sorgen dafür, dass wir schnell weiterziehen - zusammen mit Matt unserem Gastgeber der überraschend aufgekreuzt ist.
Insgesamt erkunden wir noch 3 Bars mit live Musik, Rock und Bier + Whisky. Erwähnenswert dabei war das 'the pig and the butterfly' Pub - es ist ein Pub auf 3 Etagen, live Musik, Rock, Disco... Und n Teehauszimmer. Cool.
Glasgow selbst erkunden wir tags darauf per "Hop on, Hop off" Bus. Nette Rundfahrt für 16 Pounds, lohnt sich.
Explizit besichtigt haben wir die Kathedrale, den dazugehörigen Friedhof und am Abflugtag die national Gallery. Kathedrale war geprägt von Freundlichkeit - eine Hochzeit fand dort statt, alle Gäste klassisch mit Kilt vertreten. Am Ende spielte der Dudelsackmensch Star Wars Musik auf dem Dudelsack und der Pfarrer schlug ein Rad. Schon geil drauf die Schotten.
Statue mit Hütchen.
Der neben der Kathedrale befindliche Friedhof war groß und prachtvoll mit einem schönen Blick über die Stadt. Ungwöhnlich für einen Friedhof.

Die National Gallery hingegen hat mal wieder unterstrichen warum ich für Museen meist nichts übrig habe. Skurril, aber nicht lustig oder interessant.
Das beste Objekt war ein Oktopus...
Glücklicherweise sind in Glasgow alle Sehenswürdigkeiten für free, daher war es nur eine Zeitverschwendung, keine Geldverschwendung.

Kunst

Zu unserem Glück fand gerade das Merchant Festival in Glasgow statt - eine Mischung aus Karneval, Kirmesbuden und Flohmarkt. Wir konnten so 2-3 schottische Bands anschauen und begegneten mal wieder einem unglaublich freundlichen (und betrunkenen) Schotten; Jamie erzählte uns 4x hintereinander begeistert wie sehr er Düsseldorf liebt, wie er in Weeze gelandet ist und wie er die Altstadt zuerst nicht gefunden hat, bis ihn ein Türke in jene geschickt hat. Er kann sich zwar an nichts mehr erinnern, aber seitdem ist Deutschland geil und Fortuna Düsseldorf sowieso, was er mit ausführlichen Umarmungen untermauerte - und als Fotomotive mussten wir exotische Düsseldorfer auch herhalten.
Darüberhinaus haben wir noch ein wenig geschoppt und das ein oder andere Bier bzw. Whisky getrunken.
Leider blieb es meist bei Bier, da Whisky widererwartend nicht günstig ist... (0,035 l für 3,5 Pound).
Beim Bierkonsum muss man aufpassen, dass man nicht versehentlich ein Cider oder ein Fruchtbier erwischt. Nach einigen misslungenen Experimenten sind wir beim Tallisker Lager gelandet. Nicht überragend aber ok. Und macht keine Kopfschmerzen. Auch hier ist der Preis mit im Schnitt 4 Pound für 0,4l in Bars bzw. 1,5 Pound für 0,44l Dosen in Supermärkten sehr stolz.
Friends and Jamie Insgesamt haben wir Schottland lieb gewonnen. Das Motto war zwar Whisky und Wandern, aber eigentlich haben wir "Wandern und Glasgow" gelebt. Und das war Top!
Mir wurde im Vorfeld öfter gesagt, Glasgow lohne sich nicht. Das kann ich nicht bestätigen. Glasgow ist freundlich, es hat ein ansprechendes Nachtleben und man kann sich auch ein wenig die Stadt anschauen.
Ewig in Erinnerung werde ich die absolute Herzlichkeit der Schotten behalten. Das war wirklich Top!
Schottland ist eine Reise wert!

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