Ans Ende

Rundreise durch Kuba

Varadero Teil 1 (Tag 1-4)

Nach 30 Minuten Bus, 2 Stunden Bahn, 3 Stunden warten, 11 Stunden Flugzeug, 30 Minuten Taxi, überbuchtes Hotel verlassend und wieder 30 Minuten Taxi waren wir endlich da: am Ballermann von Kanada.
Ballermann
Das Hotel Sirenis la Salina, mutmaßlich das größte Ressort auf Kuba, besticht durch einen sehr vollen Strand, eine laute Bahnhofsvorhallenkantinenmensa, ein wenig Schimmel und echt unleckerem Essen. Zu allem Überfluss sind die Kanadier (es ist schließlich ihr Ballermann) enorm laut, dass es trotz Jetlag fast unmöglich ist zu schlafen.

Nein, der erste Schock sitzt tief. Wir sind nicht angekommen auf Kuba.

Einsamkeit Leider ist unser Upgrade von einem 3 auf ein 4 Sterne Hotel ein Schlag ins Wasser. Es ist zwar nett die Vögel im Meer zu beobachten, aber nein, so geht das nicht. So warten wir am nächsten Morgen sehnlichst darauf abgeholt zu werden, um in unser billigeres 3 Sterne Ressort kommen zu können. Hindernis hier ist ein Taxi Fahrer, der sich uns so lange aufdrängt, bis wir es schließlich Leid sind und einfach Glauben [müssen / wollen], dass er von unserem Veranstalter geschickt wurde. Pech nur, dass er sich das nur ausgedacht hat und dann nach dem Transfer ohne Geld, dafür aber sehr wütend wieder abfahren muss. Er hat nun wohl gelernt, dass man nicht jeden Touristen abziehen kann :-).

Unser neues Ressort, das Villa Tortuga Hotel, macht einen ruhigeren Eindruck. Die Anlage gefällt uns und ist auch wiedererwartend direkt am Meer. Und der Strand ist relativ leer und wirklich schön. Vielleicht noch nicht DER Traumstrand der Karibik, aber schön! Wir genießen den Tag mit ausruhen, dem nicht so tollen Essen (bis auf den Nachtisch, der ist grandios) und ziehen uns nach der Akzeptablen Animation zurück auf unser ruhiges Zimmer. Ja, hier kann man relaxen und auf einen Kubaurlaub einstellen.

3 ruhige Strandtage verbringen wir in Varadero. Der Strand ist schön, stellenweise sogar paradiesisch! Die Stadt an sich hat nicht so viel zu bieten. Tatsächlich schauen wir sogar beim abendlichen Animationsprogramm zu und spielen erstmalig nach vielen, vielen Jahren Bingo. Erfolglos. Insgesamt kann man das Villa Tortuga Ressort für ein paar Nächte empfehlen, auch wenn wir am Ende des Urlaubes noch etwas mehr Glück hatten mit dem letzten unserer Reise.
Bemerkenswerte Erkenntnis im Villa Tortuga Hotel: Es gibt nette FC Köln Fans.

Havanna (Tag 4-7)

Der Trip nach Havanna ist schnell gebucht. Er kostet 10 CUC (ca. 8 Euro) pro Person. So kehren wir dem netten, aber unspektakulären Varadero nach 3 Nächten den Rücken und fahren mit dem Viazul Bus nach Havanna. 3 Stunden dauert die akzeptable Fahrt. Alles pünktlich, alles gut organisiert und klimatisiert. Oldtimer Parade
In Havanna angekommen sind wir ein gefundenes Fressen. Ca. 10 Kubaner reden gleichzeitig auf uns ein und wollen uns Hotel, Casa Particulares und Taxen andrehen. Keiner registriert, dass wir kein Spanisch sprechen und unsere zaghaften Erklärungsversuche (auf Spanisch), dass wir sowohl Taxi als auch Casa Particular vorab gebucht haben, werden ignoriert. Da aber auch nach 30 Minuten unser Taxi nicht da ist, lohnt sich diese Penetranz für einen der Gesellen. Ein junger Kubaner lässt einfach nicht locker -man muss dazu sagen, dass er sehr freundlich bleibt- und so gewinnt er 2 Kunden. Aber dass er hier nun 2 Deutsche plus massig Gepäck auf dem Fahrrad transportieren muss, dass hatte er evtl. unterschätzt. Aber nach ca. 10 Minuten extremen Abstrampelns erreicht er schließlich unsere Casa. Das verdiente Trinkgeld feiert er fast mit einem Freudentanz - schließlich haben wir seinen Lohn von 4 auf 10 CUC angehoben - wie wir im Laufe des Urlaubs gelernt haben war dies maßlos übertrieben hoch, aber er war so nett :-).
Das kleinste Zimmer der Welt
Angekommen in der Casa Mariveli begrüßt uns unser Gastvater Enrico freundlich. Die erste Nacht müssen wir in einem kleinen Zimmer verbringen, danach dann umziehen. Klein... Das wohl kleinste Zimmer der Welt begrüßt uns :-). Aber man kann drin schlafen und für 30 CUC die Nacht ist es für Kubanische Verhältnisse teuer, aber zumindest Viecherfrei. Enrico, ein italienischer Verona Fan, organisiert uns noch eine leckere Pizza für einen Euro, die wir auf der Dachterrasse im Schaukelstuhl genießen.

Danach geht es einmal kurz zu Fuß die Gegend erkunden, erster Eindruck ist, dass man doch oft angesprochen wird (kein Vergleich zu Thailand oder Mauritius). Zwei Bucanero (die leckere Einheimischenbier Sorte) beschließen den Abend bei netter live Musik in der Bar des Hotels Inglaterra.

Den folgenden Tag starteten wir gemütlich mit einem Frühstück in unserer Casa und dem Umzug in das Größere Zimmer (hier gab es bis auf Badhygiene nichts zu meckern).
Anja vor der Kathedrale Ein vom Lonely Planet empfohlener Walk durch die Havanna Altstadt rückte das Bild in ein besseres Licht, zwischen Plaza Vieja, Plaza San Francisco und der Kathedrale kann man entspannt flanieren und dabei gekonnt die Schlepper ignorieren. Lediglich das Essen im Café Taberna war sein Geld nicht wert. Bei der angenehmen Atmosphäre auf dem Paseo konnten wir entspannt unser Abendprogramm und die weitere Route planen. Zuerst der Pflichtbesuch in der Casa de la Musica!
Casa de la Musica
10 CUC Eintritt und eine Flasche Rum für 25 CUC (7 Jahre Havanna Club Incl. 4x Cola) sind kein Schnäppchen. Insbesondere dann nicht, wenn keine Band spielt, sondern nur ein DJ auflegt... (Ist aber was Besonderes für Kubaner…) Trotzdem haben die Kubaner in der mäßig besuchten Nacht ihren Spaß und behandeln uns außerordentlich freundlich. Nach ein paar Rum lassen wir uns auch dazu bewegen die europäischen Tanzkünste mit den Kubanischen zu mischen. Halbwegs erfolgreich, Balu der kubanische Pulunderbär gibt sein bestes. In jedem Fall ist der Abend ein voller Erfolg, die Tanzatmosphäre (es wurde auch ab und an Salsa gespielt) sucht ihresgleichen und die Stimmung war echt begeisternd. Mehr davon! Eine Randnotiz: Ziemlich… angetrunken zogen wir danach durch die Straßen Havannas zurück nach Hause. Ohne den genauen Weg zu kennen, ohne großes Polizeiaufgebot. Trotzdem war der Weg sicher und nie hatte man Angst. Das Gefühl der Sicherheit in Kuba ist wirklich gut!

Der nächste Tag beginnt verkatert... Eine Hop on Hop Off Bus Tour durch Havanna nehmen wir noch mit (ganz nett, kein Pflichtprogramm) und am Abend versuchen wir einen Sonnenuntergang zu sehen. Es ist ein grandioser Blick auf Havanna mit der dahinterstehenden Sonne. Leider ein paar zu viele Wolken für den angedachten romantischen Blick. Von dem in Reiseführer beschriebenen Treffpunkt für jedermann sehen wir nichts, eigentlich verirrte sich kaum ein Besucher oder Kubaner auf den Malecon. Ansonsten... Bummeln auf dem Obispo und Café de Paris mit Pizza und Fleisch für 21 CUC - ganz ok. Ein weiterer Besuch am Ende des Urlaubes änderte das Urteil von 'ganz ok' auf 'unflexibler, unfreundlicher Touriladen'. Keine Empfehlung.

Der Nächste Morgen beginnt früh mit dem Abschied aus der Casa. Fazit hier: Casa ist ok, aber man kann auch mehr für weniger Geld bekommen. Havanna ist eine schöne Stadt, die sollte man gesehen haben. Idealerweise sehr schnell, da man doch merkt, dass der Kapitalismus stark auf dem Vormarsch ist und die Stadt und den Flair wahrscheinlich stark verändern wird.

Trinidad (Tag 7-10)

Kirche in Trinidad Der Bustransfer nach Trinidad beginnt mit 30 Minuten Verspätung. Transfer kostet 25 CUC und dauert ca. 6 Stunden im klimatisierten Bus von Havanna Tours. Kein Viazul Bus, daher wohl auch die Verspätung. Auf der Reise machen wir wie immer halt in einem Touriladen – nur dieses Mal handelt es sich um einen Tierpark, der eher den Namen Tierquälpark verdient. So gibt es ein Spiel bei dem ein Meerschweinchen auf einem Tisch gedreht wird und die Touristen auf Häuschen setzen müssen, die auf dem Tisch stehen, in welches das Meerschweinchen fliehen wird. Bah, furchtbar!

In Trinidad angekommen finden wir schnell Carlos unseren "Casa Particular Vater". Diese Casa, die Casa "Isabel Castro Vilato" sieht sehr charmant von innen aus, mit 25 CUC excl. Frühstück sind wir dabei. Insgesamt eine akzeptable Hütte, ich denke man kann aber auch mehr Glück haben, unsere Casa ist solide aber keine Pflichtempfehlung. Die Gastfamilie wirkt bemüht, aber ein wenig steif. Wäsche wurde für 3 CUC gewaschen, ansonsten haben wir uns gefragt, was die ganze Familie (2 Erwachsene Söhne, evtl. ihre Freundinnen, Mutter, Vater etc.) eigentlich so machen. Gefühlt hängen sie den ganzen Tag zu Hause nichts tuend rum. Keiner Arbeitet, scheinbar kann man hier vom Zimmer vermieten allein leben. Zerfallende Kirche in Trinidad

Trinidad ist schnell erkundet. Das kleine Örtchen ist irgendwann um 1959 stehen geblieben. Enge Gassen, keine hohen Häuser und kaum Autos. Der Dorfplatz sieht toll aus, absolutes Highlight is die Kathedrale auf dem Plaza Major und die Casa de la Musica unter freiem Himmel findet ihresgleichen wohl nirgendwo.
Schnell haben wir alles erkundet, abends geht es dann zur Casa de la Musica. Eine Superstimmung ist hier. Die „Casa“ ist ein Biergarten unter freiem Himmel mit live Musik. 3 Künstler sehen wir bevor uns die Müdigkeit einholt. Wirklich sehr toll. Gegessen hatten wir zuvor (leider) im Trinidad Colonial Restaurant.

Warum leider ?

Tag 2 in Trinidad ist leider nicht ganz so schön. Jens' Magenkrämpfe und das dazu passende Beiwerk sorgen dafür, dass wir den Tag hauptsächlich im Zimmer verbringen müssen. Schuld war -wahrscheinlich- ein Pina Colada mit etwas älterer Sahne/Milch. Lediglich einen kurzen Walk durch die City, rauf auf einen Aussichtspunkt bis hin zur zerfallenen Kirche schaffen wir. Abends gibt es ein vorsichtiges Essen beim guten Italiener "Via reale" gepaart mit Kamillentee (den konnte man vor Ort in einem Supermarkt kaufen) und Immodium Akut.

Der Nächste Tag war deutlich entspannter und so schafften wir es einen Strandtag einfließen zu lassen. Gemeinsam mit Annabella, einer Argentinierin, fahren wir per Taxi zum schönen Strand von Trinidad, der Playa Ancon. Hier sieht der Strand toll aus, er ist nicht überfüllt und Palmen säumen den Rand der Playa. Lediglich das Wasser ist nicht sooooo klar, dass ist das einzige was fehlt zum Prädikat Traumstrand.

Alles in allem die richtige Atmosphäre zum Relaxen.

Abends kocht unser Herbergsvater Carlos für uns (viel, aber mittelprächtig) und dann sind wir gedanklich auch schon auf dem Weg nach Holguin. Ok, unsere erste Zimmerkakalake sorgt noch für einen letzten Adrenalinstoss vor dem schlafen gehen.

Holguin

Bye Bye Trinidad, Hallo Holguin. So war der Plan. Die 9 stuendige Busfahrt beginnt vielversprechend: "2 CUC TIPP! THERE!" kein Widerspruch möglich. Was Fidel wohl davon halten wuerde ?

Naja, 6 Stunden vergehen wie im Fluge, da wir ein nettes Pärchen aus Celle kennenlernen. Jens und Klaus können sich prächtig stundenlang über Fussball, Panini, Sport, Urlaubsgeschichten und Bier austauschen. Irgendwann kommt Holguin. Mit Holguin kommen ganz viele Schlepper, die einen überfallen. Nein, die Stadt ist nicht charmant, das beschauliche Trinidad vermissen wir jetzt schon. Auch die Stadt sieht nicht schön aus...

Aber wozu ist man spontan ? Schnell den Busfahrer charmant auf Spanisch anlabern und weiter geht's nach Santiago de Cuba, sind ja nur noch 3 Stunden!

Bye Bye Holguin!

Santiago de Cuba (Tag 10-13)

Schöner Platz in Santiago 12 Stunden Busfahrt schlauchen ganz schön...
Unseres Tanzlehrers Schwester hat nen Mann, der heißt David. Und der kann Englisch und hilft uns an diesem Abend. Wir kommen unter in der "Casa de Ana Maria Ruiz Revelo "von Annamaria und hier fühlt man sich wohl. Endlich mal eine herzliche nicht englisch sprechende Dame. Hier macht Kommunikation mit Händen, Füssen und 2 Brocken spanisch noch Spaß! 35 CUC kostet der Spaß incl. gutem Frühstuck pro Nacht.

Anschließend zeigt uns David eine Paladra (spezielle private Restaurants auf Kuba), die Paladra Carreterra, und wir haben hier einen kurzen aber netten Abend.

Der kommende Tag sieht die Erkundung Santiagos vor. Zuerst werden wir aber abgeschleppt und so zahlen auch wir 2 CUC Lehrgeld - gefordert wurden 5. Unverschämt! Ab sofort reden wir nur noch Deutsch und Antworten nicht mehr jedem charmant auf Spanisch. Die Stimmung ist unten, so viele Schlepper und so wenig Touristen.

Der City Walk führt über die 3 zentralen Plätze der Stadt. Alle ganz ok, aber... Wo bitte ist der ach so tolle nachgesagte Charme dieser Stadt? Wir sehen nur 'nicht so schöne Gassen' und mittelprächtige Plätze, keine netten Läden... Ne, erster Eindruck ist eher enttäuschend, hier ist bisher nichts, was 12 Stunden Bus fahren rechtfertigt. Im Läufe unserer Reise haben uns eigentlich alle Backpackers die wir getroffen haben zugestimmt: Santiago de Cuba ist überbewertet und es gibt mehr Schlepper als Touristen.

St. Pauli Fan aus Celle Vom ersten Schock erholt geht es ab Casa in das benachbarte 5 Sterne Hotel ins Internet und von dort aus per Taxi in die Stadt mit den Kollegen aus Zelle ein paar Bier trinken. Die beiden haben einen ähnlichen, sogar noch katastrophaleren Eindruck als wir von der Stadt, und zudem erfolglos versucht Zugtickets nach Havanna zu bekommen. Damit ist unser eigener Plan per Zug nach Havanna zu fahren abgehakt. Der Rest des Abends ist schnell erzählt: das Bier läuft gut, die Stimmung ist super, Salsa Klaus hat eine verblüffende Ähnlichkeit mi dem Herren auf dem Geldschein, zuerst wird auf der Terrasse des Hotels Casa Grande am Parque Cesquedes getrunken, dann ein Wechsel in die lokale Casa de la Musica.
Wieder einmal zeigen sich hier die Kubaner von ihrer freundlichen, netten Seite, es macht Spaß mit ihnen zu tanzen oder einfach nur den Flair zu genießen. Bier (1 CUC) und Eintritt (2 CUC) sind preiswert, eine klare Empfehlung für den Laden, in welchem wir die wohl einzigen Touristen waren. Leider gab es keine live Musik, und der DJ stand eindeutig mehr auf Reggeaton anstatt auf Salsa.

Siboney, Strand bei Santiago An Tag 3 zeigt uns David den Strand Playa Siboney in der Nähe von Santiago. Es ist eine kleine Bucht in der sich Einheimische und ein paar Touristen die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Ganz nett und entspannend, auch wenn der Strand mit dem in Varadero nicht mithalten kann.
Abends sind wir noch bei David zum Essen eingeladen und so bekommen wir die Chance mit einem Sammeltaxi in einem 100% tourifreien Vorort zu fahren und eine der 60er Jahre Bauten von innen zu sehen. Das Essen war das mit Abstand beste bisher auf Cuba :-).



Next stopp: Baracoa (Tag 13-15)

Fahrerkamera Um 7:40 fährt unser Bus (wie immer pünktlich auf die Minute) los nach Baracoa, dem Wendepunkt unserer Reise, am östlichen Ende Guantanamos / Kubas. Der erste Eindruck ist... Prima!
Der Weg nach Baracoa ein Traum. Es geht durch grüne Berge über schmale Straßen bis hin zu der Stadt die versteckt gefühlt am anderen Ende der Welt liegt. Es ist ein verschlafenes Nest, in welches sich nicht sooooo viele Touristen verirren. Schnell ist die Stadt erkundet und abends gibt es noch ein Essen in der Casa. Isabella y Jens

In der Casa Isabel Castro Vilato fühlt man sich wohl. Die Herbergsmutter spricht zwar nur Spanisch, aber sie kümmert sich ausführlich um uns und erklärt uns lustig auf Spanisch mit Geräuschen, wilden Handzeichen und Gesten einiges über mögliche Ausflugsziele. Bei ihr haben wir das Gefühl auf einmal Spanisch verstehen zu können! Der kleine Casa Hund, Matschupitschu ist schnell ins Herz geschlossen. Abends gibt es Korreander lastiges Essen und wir lernen unsere Münchener Mitbewohner kennen.


An Tag 2 in Baracor geht es in den Parque de Alexander Humboldt. Nach 90 Minuten Busfahrralley (Busfahrer ist ein angesehener Beruf und die Fahrer haben hier Dienstgrade, wie in der Armee. Und dieser Busfahrer war definitiv ein sehr, sehr guter Busfahrergeneral!) kommen wir an. Es geht durch Wald und Dschungel einen herausfordernden Rundweg entlang, der nach 3,5 Stunden an einem Wasserfall endet, wo man prima baden kann. Unterwegs begegnet uns der Kubanische Nationalvogel, der Tocororo, einige Geier die einen Schweinekadaver genießen, eine Schlange sowie der Blick auf UNBERÜHRTE Wildnis - ja so etwas scheint es tatsächlich noch zu geben auf dieser Welt. Ein definitiv lohnenswerter Ausflug, an welchen noch eine Stunde Strand an der Playa Manguana angehangen wird. Der Strand ist ok, wir fanden ihn einsam vor, kein Tourist war anwesend, dafür ein paar brave Hunde und ein... Schwein. Leider hatten wir erstmalig auf Kuba ein wenig Pech mit dem Wetter und so war es überwiegend bewölkt und ab und an regnerisch. Dementsprechend glatt war der Weg und dementsprechend sinnfrei war der Ausflug zum Strand.

Spiderman und Snoop Dog Abends machte uns Mama Isabella ein vorzügliches, knoblauchhaltiges Essen und den Abend verbrachten wir mit Teilen unserer Humboldt Reisegruppe in der Innenstadt in einer Bar bei live Musik. Die bisher beste Show, bei der ein Einheimischer im Spiderman Kostüm den Clown abgab (zum Leidwesen der Band) und ein einheimischer bekannter Schwarzer Rapper/ Reggeaton Künstler einen Dance Kontest mit einem uncoolen aber absolut begnadeten deutschen (unmodischen) Tänzer verlor. Ganz, ganz große Kino, Heintje und Snoop Dog im Duell. Das ist nicht zu überbieten und gehört ins Kino!

Der nächste Tag ist verregnet und so geht es (leider schon) zurück nach Norden. Da die Direkt Verbindung nach Havanna 21 Stunden dauert, nehmen wir noch einmal einen Zwischenstopp bei Annamaria in Santiago in Kauf. Für Baracor aber gilt: Der beste Ort auf Kuba!

Zwischenstopp Santiago (Tag 15 – 16)

Lange Diskussionen am Viazul Busschalter führen dazu, dass wir davon ausgehen mind. zwei Nächte in Santiago verbringen zu müssen. Es sei gar nichts mehr frei... Ein wenig enttäuscht verlassen wir den Schalter, aber Annamaria, unsere Casa Mama, holt uns vom Busbahnhof ab. In der Casa fühlt es sich ein Miniwenig wie zu Hause an, und die Spaghetti von dem freundlichen Kerl im Italien Trikot schmecken sehr gut! Der nächste Tag hält einen Kompromiss für uns bereit: zwar bekommen wir keinen Platz im Express Bus, dafür aber einem im langsameren Normalo Bus. Start: 15 Uhr Santiago, Ankunft Havanna: 7 Uhr morgens. 51 CUC. Tipp: am besten doch direkt durchfahren ab Baracoa oder doch einen Versuch mit dem Flieger wagen.

Vinales (Tag 16 – 19)

Die Strassen von Vinales Unglaubliche 16 Stunden Busfahrt wurden ergänzt mit 2 Stunden warten in Havanna und -nachdem wir uns davon überzeugt hatten, dass unsere Beine nicht abgestorben sind- dann ging es direkt weitere 4 Stunden nach Vinales.
Erster Eindruck: nettes Bauerndorf. Da wir hier keine Casa vorgebucht hatten, lassen wir uns abschleppen. 15 CUC kostet unser kleines Zimmer mit englischsprachigem Casa Schlepper. Vorbei an Hühnern und Schweinen geht es zu Fuß auf Schotterwegen zu unserer Casa.
Der erste Eindruck bestätigt sich, es ist ein angenehmes kleines verschlafenes Dorf im ländlichen Stil. Die Casa (xxxxxxxxxxxx) ist nett, ein sehr kleines Zimmer, aber sauber. Und kosten tut es ja auch 10 CUC weniger als alle bisherigen Häuser. Das Essen was uns die Mama am Abend zubereitet ist enorm viel und schmeckt auch gut. Spaghetti, dazu Tomatensauce, nebenbei Reis, einen Riesenpott Suppe, einen Salatteller, Bananenchips und einen Früchteteller. Mjam.

Nach 20 Stunden Busfahren und Kekse schaffen wir ausgehungerten Touris nicht einmal die Hälfte.

Ochs vorm Berg mit Bauer Der Tag danach ist anstrengend. Morgens eine Wanderung durch das Tal mit Einführung in die Tabakkunde. Grüne Tabakfelder, braune Tabak Trocknenhäuschen und ein alter Bauer der uns mit seiner Zigarrendrehkunst beeindruckt - eine sehr schöne Tour für 10 CUC, die uns in knapp 3 Stunden bei sengender Hitze die Landschaft näher bringt. Und die ist echt sehenswert! Auch die Dialoge mit dem guten Guide runden das Bild passend ab. 10 Zigarren für 20 CUC wurden nebenbei geshoppt.
Höhlenjens Dabei lernen wir 2 Engländer kennen, mit denen wir nachmittags eine private Tour in die zweitgrößten Höhlen des amerikanischen Kontinents unternehmen, zu den Cuevas St. Tomas. 30 Minuten Taxi, 45 Minuten mittelschweres Bergwandern durch Dschungel und Gestrüpp enden in einem unscheinbaren Höhleneingang. Keine Zeichen von Zivilisation oder andere Touristen sind mehr zu erkennen. Unser Guide hat glücklicherweise für jeden eine Kopftaschenlampe mit. Und rein geht es in die Höhle.
Kein Ausgebauter Weg, keine Beleuchtung, einfach pure Natur. Enge Wege, fiese Stolperfallen und einen Einblick auf die unteren Ebenen bekommt man. Insgesamt ist das Höhlensystem auf 6 Ebenen verteilt, wovon die unteren unter Wasser liegen. Wir befinden uns auf Ebene 4 und unser Besuch endet bei einem Haufen glitzernder Steine. Diamanten ? ;-)
Ein echt tolles Erlebnis und kein Vergleich zu irgendeiner touristisch ausgebauten Höhle die man sonst vielleicht kennt. Viel zu unzugänglich ist der Eingang der Höhle, so dass der Besuch NOCH ein Geheimtipp zu sein scheint. Das wird sich irgendwann bestimmt ändern...

Erschöpft gehen wir denselben schweren Weg zurück und nehmen mit dem englischen Pärchen in unserer Casa ein Abendessen ein. Und das hat eine Besonderheit, daher noch ein Wort zur Casa: Auf dem Käse der Vorspeisensuppe befinden sich kleine Tierchen. Maden/ Larven von Mücken. Echt ekelig. Auf meine Frage was dies sei, antwortet die Casa Mama „Moskitos“, nimmt meine Gabel und entfernt 2 der anwesenden Tierchen. Ich bekomme meine Gabel zurück und werde mit dem restlichen Kriechzeug alleine gelassen...
Naja wir sind halt nicht in Deutschland, aber das war schon echt hart.

Abends hat Vinales nicht soooo viel zu bieten. Ein zentraler Platz auf dem Techno läuft, dahinter ein Tanzlokal mit live Musik. Ganz nett, aber nichts Besonderes, wir sind halt verwöhnt mittlerweile nach über 2 Wochen Rundreise. Am darauffolgenden Abend war der Hund komplett begraben, vielleicht lag es am Sonntag.

Maria la Gorda (Tag 18)

Maria la Gorda Tags darauf (nach Beseitigung der Moskitoleichen aus unseren Mägen und Gedanken) fahren wir 3 Stunden zum Strand Maria la Gorda, einer der westlichsten Punkte von Kuba die Erwähnung im Lonly Planet finden. Der Strand mit Hotelanlage ist ganz nett, hier finden nur wenige Touristen und gar keine Einheimischen hin. Schatten findet man nur unter Palmen und es ist wirklich sehr ruhig vor Ort. Preislich ist es doch hingegen ein sehr gehobenes Niveau, es gibt halt nur eine Hotelanlage und sonst nichts in breiter Sichtweite.

Maria la Gorda ist ein bekanntes Paradies für Taucher. Bereits ein kurzer Blick ins Meer ist vielversprechend. Klares Wasser und bunte Fische. Schnorcheln in Ufernähe macht richtig Spaß. Leider können wir aufgrund von Ohrproblemen nicht tauchen gehen, so buchen wir für 12 CUC p.P. einen Schnorcheltrip. Nach vielen relaxten Stunden am Strand geht es raus aufs Meer zu einem Riff. Eine Stunde Schnorcheln zusammengefasst: ganz nett, leider nichts Besonderes gesehen, die erste Meeresschildkröte unseres Lebens läßt weiter auf sich warten. Ebenso wie der erste Wal. Größter 'Fund' war ein Lionfish. Ansonsten nur Mäßig viel Fischverkehr unter Wasser und aufgrund der Tiefe ein Vergnügen was sich ziemlich weiter unter einem abspielt.
Fazit von Maria la Gorda: es ist ganz nett, aber 3 Stunden Gewackel im Bus hin und zurück... Wenn dann lieber eine Nacht hier vor Ort verbringen und idealerweise Tauchfähig sein.

Am letzten Tag Vinales schaffen wir noch eine Runde mit dem Minibus rund um Vinales (5 CUC), eine 70 minütige entspannte Fahrt bei der man einen tollen Eindruck von der gesamten Umgebung gewinnt. Sehr interessant dabei ist der Panoramablick von Hotel Jaszmin und die lustigen Malereien auf einem Felsen – hier wird Evolution dargestellt.

Havanna Teil 2 (Tag 19 – 21)

3 Stunden Busfahrt (15 CUC), teilweise bei Regen, und wir sind wieder in Havanna. Per Taxi (12 CUC) geht es zu unserer neuen Casa, der Casa Esteban y Isabella. Eine professionelle Casa mit Preislisten, Taxi Service und erstmalig Zahlen wir unsere 30 CUC pro Nacht im Voraus. Das Zimmer ist klein aber toll. Die Deckenhöhe liegt bei ca. 7 Metern! Und es ist sehr sauber. Leider stellen wir nachts fest, dass es auch sehr, sehr laut ist. Dafür ist die Lage aber durchaus ok. Im Gesamtbild vergleichbar mit unserer ersten Casa in Havanna, beide haben ihre Vor- und Nachteile.
Hotel Nacional Abends geht es gemütlich durch das Nachtleben. Café de Paris - ein Reinfall, dann ein Wechsel in das Restaurante Dominica beim Plaza de Armas (akzeptable Pizza) und nachher in das Brauhaus am Plaza Vieja. Für das Brauhaus eine klare Empfehlung, nette Atmosphäre, akzeptable Preise und Biere, die echt gut schmecken.
Der letzte Havannatag wird zu einem Gewaltsmarsch. Von der Casa geht es gen Malecon (ganz nett) zum Hotel Nacional (sehenswert), ein langer Weg zum Friedhof (der Weg macht keinen Spaß, Friedhof ist toll, kostet aber unverschämte 5 CUC eintritt), dann gen Plaza de Revolution (schön, wenn man nicht wie wir von Wächtern weggemobbt wird – die Polizeipräsenz ist echt übertrieben und nicht mehr schön), per Taxi zum Capitol Kuss im Auto (gut investierte 3 CUC für Fotos im Oldtimer) und final über die Obispo zum Pseudoshoppen (eignet sich nicht wirklich zum Shoppen, aber man hier gut entlang flanieren.).

Dieses Mal gibt es im Restaurant Dominica Nudeln, und mit Respekt an alle Italiener auf der Welt: Diese Nudeln waren perfekt!!
Zwischendurch hatte uns ein Taxifahrer erzählt, um 9 Uhr sei ein Feuerwerk am Meer... Zumindest glaubten wir dies verstanden zu haben und begaben uns rechtzeitig dorthin. Scheinbar wusste kein anderer Kubaner davon... Und so gab es lediglich einen Kanonenschuss zu Ehren von irgendeinem Revoluzzer und sonst nichts. Einen romantischen Blick auf den Sternenklaren Himmel, aber definitiv kein Feuerwerk. Die Kommunikation in einer fremden Sprache birgt so ihre Tücken.

Varadero Teil 2

Strand Am nächsten Morgen noch schnell Rum eingeshoppt und ab geht es nach Varadero. Dieses Mal geht es in das Resort Quadro Palmas, zu 50 Euro p. P. und Nacht mit AI Verpflegung. Vorweg genommen: das Fazit des Hotels ist sehr gut, deutlich besser als unsere vorherigen 2 Hotels in Varadero.
Es liegt im Zentrum, nahe der Calle 61. Hier ist der Strand nicht überfüllt, aber schön. Das Wasser ist sauber und klar und wir hatten Wellengang, in welchem Wasserplantschen besonders viel Spaß gemacht hat.
Die Tage vergingen schnell mit Turbobräunen am Strand, Beachvolleyball, Tischtennis und Salsa Tanzstunden. Die Animateure und fast alle Kellner waren nett, sie haben Spaß an ihrem Job. Das überträgt sich automatisch auf die Gäste. Beinahe hätten es 4 Russen, ein Kanadier und ich auch geschafft die 6 Animateurkubaner im Beachvolleyball zu schlagen. Nach 5 Sätzen und mit spontanem Einsatz in Satz Nr. 5 des 2,2m Rescuestrandmenschen (und Profivolleyballer ?) konnten die Kubaner doch noch knapp gewinnen.

Auch das Essen war ok, zumindest bei 4x Abendessen und 3x Mittagessen wurde uns nicht langweilig. Lediglich das Frühstück war eher schwach, aber darüber kann man wegsehen. Nach Havanna hatten wir uns schon ein wenig auf zu Hause gefreut, aber hier in der Pauschi Burg, da haben wir uns echt wohl gefühlt und hätten uns gerne auch noch ein paar Tage mehr erholt.
Klare Empfehlung!

Am letzten Tag ging es dann Stilecht in einem alten 50er Jahre Auto zum Flughafen, für faire 25 CUC.

Dann noch 9 Stunden Flug, 1 Stunde Bahn, 30 Minuten Straßenbahn und auch dieser Urlaub ist auf einmal zu Ende.


Fazit: Ja, Kuba ist eine Reise wert. Ja, Kuba kann man problemlos als Backpacker erkunden. Ja, es ist sicher.
Irgendwo muss das "Aber" kommen. Vielleicht liegt es an den Erfahrungen in Thailand, wo die Uhr noch einmal ganz anders tickt, dass wir vielleicht einen Ticken zu hohe Erwartungen hatten. Wir wurden nicht enttäuscht, der Urlaub war ein Traum. Aber gewisse Aspekte (Essen nicht berauschend, Santiago's Schlepper, Nicht tauchen) bleiben eben auch haften.
Die positiven Eindrücke (Tanz, Lifestyle, Klima, überall Musik, alte Autos etc.) überwiegen deutlich, aber wenn wir erneut zu einem besuchten Ort reisen, dann würden wir wohl eher nach Thailand erneut reisen anstatt nach Kuba. (Salsareise ausgenommen ;-)

Wer auch immer einen Kuba Urlaub plant: Lieber heute als morgen - in ein paar Jahren wird der Kapitalismus das Bild von Kuba immer weiter beeinflust haben und die aktuelle Originalität wird vielleicht weiter einem üblichen Amerikansichen Bild weichen.


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